Die Superstars und das Geld: «Für Franjo gibt es kein Vorbeikommen an Marco»
Es kann ihm keiner vorwerfen, er hätte den erfolgreichsten, bestbezahlten Skifahrer der Gegenwart nicht gewarnt. Es sind erst drei Wochen vergangen, als Franjo von Allmen seinem Teamkollegen Marco Odermatt an die Gurgel ging, weil ihm dieser beim Super-G in Kitzbühel um drei Hundertstel den Sieg weggeschnappt hat. Nun ist aus diesem Spass ernst geworden. Titel-Hattrick bei Olympia. Vom Herausforderer zum Superstar. Von Allmen wird über Nacht zum Multimillionär.
Beatles oder Rolling Stones. Migros oder Coop. Federer oder Nadal. Und jetzt Odermatt oder von Allmen? Ein reizvoller Gedanke. Allein, weil Duelle auf Augenhöhe häufig zu einer Glaubensfrage hochstilisiert werden, die Menschen fesseln und sich formidabel vermarkten lassen.
Auf der Piste, keine Frage, stecken wir nach Jahren von Odermatts Regentschaft mittendrin in diesem aufregenden Thrill zwischen dem 24-jährigen Emporkömmling aus dem Berner Oberland und seinem vier Jahre älteren Kontrahenten aus Nidwalden. Aber daneben, da dominiert weiterhin Odermatt, der in der Werbung quasi omnipräsent ist. Aber wie lange kann er seinen Kontrahenten auf Distanz halten?
Die drei Goldmedaillen an Olympia katapultieren von Allmen in neue Sphären. «Er ist nun im globalen Skimarkt angekommen», konstatiert sein Manager Luca Röösli. Er muss es wissen. Schliesslich quillt sein Email-Postfach vor lauter Anfragen über. Aber ist von Allmen wirtschaftlich schon auf der Höhe von Odermatt, der schätzungsweise fünf Millionen Franken pro Jahr einstreicht?
Das Kopfsponsoring bringt von Allmen 450'000 Franken ein
Nein, ist er nicht. Obwohl ihn längst nicht mehr finanzielle Sorgen plagen wie noch mit 17, als er nach dem Tod des Vaters nur dank eines Crowdfundings und Gelder mehrerer Stiftungen die Karriere fortsetzen konnte. Ja, von Allmen dürfte mittlerweile Gehaltsmillionär sein. 450'000 Franken, so Schätzungen von Branchenkennern, bringt ihm das Helmsponsoring ein. Dazu kommen Erlöse aus Ausrüsterverträgen, Marketing und Weltcup-Preisgeldern. Allein in dieser Saison ist er bis jetzt bei 243'838 Euro angelangt.
Zum Vergleich. Odermatt hat in diesem Winter bereits 657'183 Euro eingefahren. Er ist von Allmen auch in diesem Punkt noch um einiges voraus. Aber die relevante Frage ist: Was wird in zwei, drei Jahren sein, wenn von Allmen sein Olympia-Gold vergoldet hat. Wird er ihn dann finanziell überflügeln?
Der renommierte Werber Frank Bodin sagt:
Diego Züger, Co-CEO von Swiss Ski und Verwaltungsratspräsident von Athlema, der Vermarktungsagentur von Allmens, sagt:
Eine Einschätzung, die nicht alle teilen. Ein Manager eines ausländischen Skistars meint: «In der Schweiz kann Franjo von Allmen sicherlich stark profitieren, wenn er und sein Management das wollen. Ich glaube aber nicht, dass er international ein Ski-Superstar werden wird.» Warum? Einerseits, weil von Allmen im Unterschied zu Odermatt nicht gut Englisch spreche. Andererseits, weil er nicht dieses weltmännische Charisma von Odermatt habe.
Beides ist lernbar. Aber strebt das von Allmen überhaupt an. Derzeit gewichtet er den Konkurrenzkampf auf der Piste höher als jenen im Scheinwerferlicht. «Ich funktioniere nicht wie Marco. Er macht mehr, als ich es mir zurzeit vorstellen kann», sagte er zu Saisonbeginn in einem Interview mit uns. Zu wichtig ist ihm das «normale» Leben im simmentaler Dorf Boltigen, wo der Begriff Superstar surreal wirkt und ganz weit weg ist.
«Das Werbeumfeld rund um Franjo soll die Werte wiederspiegeln, die ihn prägen: authentische Freude und Echtheit», sagt Manager Röösli. Ein anderer Athleten-Manager, der nicht genannt werden will, sagt:
Er sei überzeugt, dass Odermatt weiterhin der bestbezahlte Skifahrer das Red-Bull-Teams bleibe. Ausserdem könne er sich gut vorstellen, dass von Allmen in der rennfreien Zeit weiterhin lieber Motocross fahre oder an Oldtimern rumschraube, statt öffentlich aufzutreten.
Schadet ihm der eigene Likör?
Kann sein. Aber vielleicht entwickelt sich bei von Allmen der Ehrgeiz, Odermatt werbetechnisch herauszufordern. Viele Türen würden ihm nun offen stehen, meint Bodin. Andere entgegnen: Einige Plätze seien schon besetzt durch Odermatt. Beispielsweise jener bei Sunrise. «Das sehe ich nicht so», sagt Bodin. «Als Sunrise würde ich von Allmen dazu nehmen. Man könnte wunderbar mit den beiden spielen.»
Man spürt: Odermatt oder von Allmen. Es ist eine Frage, die das Land mittlerweile stark bewegt. Da wird vieles aufgebauscht, gedeutet und interpretiert. So erstaunt es nicht, wenn nun Leute prophezeihen, das Geschäft mit dem Likör würde von Allmen vermarktungstechnisch schaden. «Das ist doch eine bodenständige Spielerei», meint Bodin. «Dieser Likör wird von Allmen Nullkommanull Promille schaden.»
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